Valentino Garavani trat 2008 zurück und übergab die kreative Leitung an Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli. Diese Partnerschaft prägte eine besondere Ära des Glamours auf dem roten Teppich und der aufwendigen Schneiderkunst. Dann drehten sich die Stühle. Chiuri wechselte 2016 zu Dior. Piccioli blieb bis 2024 und wechselte schließlich im Jahr 2025 als Kreativdirektor zu Balenciaga. Alessandro Michele übernahm die Leitung und signalisierte einen deutlichen ästhetischen Richtungswechsel.
Welchen Unternehmen gehört eigentlich das Modehaus Valentino?
Die Geldspur ist ebenso interessant wie die Mode. Valentino selbst verkaufte die Marke 1998 für etwa 300 Millionen Dollar an den italienischen Mischkonzern HdP. Er entwarf noch ein Jahrzehnt lang weiter, aber das Geschäftsmodell hatte sich verändert.
Seitdem hat das Haus mehrmals den Besitzer gewechselt.
– Marzotto Group hat es im Jahr 2002 übernommen. Sie sind ein Textilhersteller in Familienbesitz und kein Konkurrent einer Luxusmarke.
– Permira kaufte die Rechte im Jahr 2007. Hierbei handelte es sich um eine Private-Equity-Firma, die nach finanziellen Erträgen suchte.
– Mayhoola übernahm 2012. Diese katarische Investmentgesellschaft wird von der königlichen Familie verwaltet und bringt enormes Kapital und globale Reichweite mit.
Warum Kerings 30-Prozent-Anteil jetzt wichtig ist
Im Jahr 2023 sprang Kering ein. Der französische Luxuskonzern erwarb einen 30-prozentigen Anteil an dem Unternehmen. Sie sind nicht nur passive Anleger. Kering hat angekündigt, bis zum Ende des Jahrzehnts das komplette Haus zu erwerben.
Dadurch verändert sich die Dynamik völlig. Kering besitzt bereits Gucci, Saint Laurent und Bottega Veneta. Sie verfügen über die Infrastruktur, um globales Marketing, Einzelhandelsexpansion und Lieferkettenmanagement in einem Ausmaß abzuwickeln, mit dem nur wenige Konkurrenten mithalten können.
Der Wandel von Private Equity zu einem Luxuskonzern signalisiert eher eine Bewegung in Richtung Markenkonsolidierung als einen schnellen finanziellen Ausstieg.
Wie wird sich dies auf die Entwürfe unter Alessandro Michele auswirken? Wir werden sehen. Die Eigentümerstruktur deutet auf Stabilität und langfristige Investitionen hin, doch die kreative Richtung bleibt die größte Variable. Im Moment ist das rote Valentino-Kleid immer noch die Ikone, aber das Geschäft dahinter spielt ein anderes Spiel.

































